OFU - Obernberg für Ukraine

15 Frauen und Kinder aus der Umgebung von Kiew werden seit März 2022 im Gemeindesaal Obernberg aufopfernd betreut.

"Bitte die Privatsphäre unserer ukrainischen Gäste zu beachten – Zutritt nur für Mitarbeiter", ist am Eingang zum Obernberger Gemeindesaal zu lesen. Drei der Mitarbeiter treffen wir sogleich: Die ursprünglich aus Tschechien stammende Monika Capek, Jan Castelein und Lukas Knoflach haben mit engagierten Helfern über Nacht die Aufnahme der Flüchtlinge vorbereitet.

Beklemmend

Im Gemeindesaal sind über 20 Notbetten der Feuerwehr aufgestellt, drei Pavillonzelte sorgen für Rückzugsmöglichkeiten, in einer Spieleecke können sich die Kleinen unterhalten. Eine Frau schiebt ihren Kinderwagen durch den Raum, andere frühstücken. Es ist sehr ruhig, die Stimmung ist gedrückt – wenngleich es den Flüchtlingen einige Tage nach ihrer Ankunft schon viel besser geht. Sie duschen in Schule und Kindergarten, kriegen warme Mahlzeiten aus dem Annaheim und zahlreiche Kleiderspenden rüsten für die noch kalte Jahreszeit.

"Dann fielen Bomben"

Alle kommen aus der Umgebung von Kiew. "Wir sind Hals über Kopf geflohen", erzählt Ilona. Nicht nur sie, auch Übersetzerin Kristina Isser aus Gries – sie hat sich extra frei genommen – und auch den Organisatoren selbst treibt es immer wieder Tränen in die Augen. Einige sind doch stark traumatisiert. "Wir wollten bis zuletzt nicht an den Krieg glauben, aber dann fielen Bomben. Wir haben rasch eine Tasche mit dem Nötigsten gepackt und sind los. Männer und Söhne mussten wir zurücklassen, aber wir sind mit ihnen in Kontakt", ergänzt Ina.

Wo sind wir eigentlich?

Oft waren die Frauen mit ihren Kindern tagelang unterwegs, haben nicht geschlafen und wussten nicht wohin. Capek erfuhr davon und setzte gemeinsam mit Castelein alle Hebel in Bewegung, damit die Ukrainer in sichere Gefilde gelangen. Die Solidarität in der kleinen Wipptaler Gemeinde ist riesig! "Wenns um's Helfen geht, steht Obernberg zusammen! Es gab nicht eine einzige negative Stimme", berichten Capek, Castelein und Knoflach im provisorisch eingerichteten Büro im Musikprobelokal.

Immense Solidarität

Nachdem der Gemeinderat sein Okay gegeben hatte, wurden Whatsapp-Gruppen gegründet, alles aufgebaut und der Transport der Frauen und Kinder vom Innsbrucker Bahnhof nach Obernberg organisiert. Am Morgen nach der nächtlichen Aktion wurde dann erst einmal gemeinsam mit den Flüchtlingen die Landkarte studiert, denn die wussten ja nicht einmal, wo sie sind! Sie sind jetzt aber jedenfalls an einem sicheren Ort, wo alles Menschenmögliche getan wird, damit sie sich so gut es geht wohlfühlen! Es wird gemeinsam gesungen, es gibt Sprachkurse und Ausflüge – es ist wirklich für alles gesorgt! Die Dankbarkeit ist dementsprechend groß.

Übergangsstation

Der Gemeindesaal soll lediglich eine Übergangsstation bilden, von wo aus die Frauen und Kinder dann über das Land Tirol in andere, dauerhaftere Unterkünfte weitervermittelt werden sollen. Damit ist dann auch wieder Platz für weitere Bedürftige. Wie lange das alles so betrieben werden muss, weiß freilich niemand. "Wir sind stolz auf uns. Wir können die Ukraine nicht retten, aber als Vorbild wirken. Leider warten noch viele Flüchtlinge. Alle Gemeinden sollen aufwachen, bei uns funktioniert das super! Wenn wir es in Obernberg schaffen, schaffen es andere auch", wünschen sich Capek, Castelein und Knoflach abschließend jedenfalls deutlich mehr Engagement in dieser Richtung.

Obernberger Spendenkonto

Wie Sie helfen können? Momentan werden (auch) in Obernberg hauptsächlich Geldspenden benötigt, um die nächsten Flüchtlinge abholen und betreuen zu können. Bei der Raiffeisenbank Wipptal-Stubaital Mitte wurde ein Spendenkonto eingerichtet – IBAN: AT39 3632 9000 0083 7641. Wer eventuell mit einem größeren Fahrzeug einen der Transporte von Prag oder anderen weiter entfernten Städten ins Wipptal übernehmen kann, soll sich bitte gerne via Mail an obernberghelps@gmail.com melden. Bitte keine Sachspenden einfach vorbeibringen und verfügbare Unterkünfte zur besseren Koordination unbedingt nur beim Land Tirol bekannt geben.

Obernberg hilft Ukrainern: "Warmer Bahnhof" für Flüchtlinge - Stubai-Wipptal (meinbezirk.at)

 


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